| K O
S T Malerei - Zeichnung - Video - Fotografie - Installation - Aktion - Objekte |
|
![]() - kuratiert von Nanna Lüth - Die KOST-TeilnehmerInnen: Jessica Broas (GB) Rebecca Dagnall (AU) Meike Dölp / Rolf Gesing (Berlin) Lisa Glauer (Berlin) Torsten Goffin (Köln) Nanna Heidenreich / Antje Kirschning (Berlin) Andy Hsu (GB) Folke Köbberling (Berlin) Ulrich Krauss (Berlin) Christine Kriegerowski (Berlin) Christine Lohr (Berlin) Nanna Lüth (Berlin) Annette Munk (Berlin) Pukar/ Rahul Srivastava / Gauri Patwardhan (I) Karen Scheper de Aguirre (Berlin) Ulrich Schlotmann (Berlin) Marie Vermeiren (B) Waltraud M. Weiland (Berlin) Frank Werner (Berlin) |
Die Werkstatt
zur Klärung des Lebensmittelbegriffs: |
und ihre Arbeiten: Hochglanzfotografierte sorgfältig angerichtete und dekorierte Arrangements versprechen in Kochbüchern kulinarische Hochgenüsse. Über ein Jahr hinweg kochten Meike Dölp und Rolf Gesing täglich eines der vielversprechende Rezepte nach. Auch sie fotografierten ihr Endprodukt, mal lieblos auf den Teller geworfen, mal sorgfältig dekoriert. Aus dem künstlerischen Versuch entstand ein neues, etwas anderes Kochbuch. Iranische
Cafés sind charakteristisch für das Straßenbild des 'alten'
Bombay. Ihre Besitzer erzählen Geschichten von Migration und Heimat.
Was hieß es und was heißt es heute Iraner/in und Inder/in zu
sein? Als Teil der Nachbarschaftsprojekte von Pukar (Partners for Urban Knowledge Action and Research) filmten Studenten des Wilson College ihre beliebtesten 'hang-out joints' nahe ihrer Schule und untersuchen so die eigene Nachbarschaft. Rahul Srivastava (Koordination) und Gauri Patwardhan (Schnitt) betreuten das interdisziplinäre Projekt "....aur irani chai" ("...noch mehr iranischer Tee"). In einem zweiten Film dokumentiert Gauri Patwardhan mit der Kamera die Herstellung eines Kuchens durch eine begeisterte Hobbybäckerin. Individuelle Interpretationen von traditionellen Kuchenrezepten lassen das Selbstverständnis der Bäckerin als eine sich von stereotypen Rollenzuweisungen distanzierende Frau erahnen. Der dokumentarische Blick der indischen Filmemacherin auf die deutsche Bäckerin bedeutet eine Umkehrung der üblichen ethnografischen Perspektive. Auch Waltraud M. Weiland dokumentierte Besuche bei Köchinnen aus Leidenschaft und öffnete so die private Kochsituation für das Publikum. Die Frau hinter der Kamera stellte persönliche bis ungemütliche Fragen über die sinnlich-lustvolle Faszination an der Zubereitung von Speisen, das individuelle Konsumverhalten, Produktionsbedingungen in Tierhaltung und Landwirtschaft, un- faire Handelsbeziehungen und mehr. So wird das "Küchenstudio" zum Ort einer sensibel-provokativen Kommunikation zwischen KöchIn und Künstlerin, die der Kochprozess erst in Gang setzt. Das Video wurde in Rohfassung gezeigt. Das Experiment hat kein Ende. Wer nicht kochen kann und will und keine leidenschaftlichen/ begeisterten KochkünstlerInnen um sich hat, muss sich oft mit Junk Food begnügen. Dass es sich hierbei nicht unbedingt um eine Einbuße von Lebensqualität handelt, bestätigt die Arbeit "junk food" von Torsten Goffin. Eine Reihe von Schokoriegeln wurde mit Gold ummantelt und so veredelt auf lila und roten Seidenkissen abgebildet. Christine
Kriegerowski hat jahrelang Würstchen- und Fleischforschung betrieben.
In ihrer "BSE Retrospektive" sendete sie Bilder (Zeichnungen,
Fotografie, Video/ Performance) aus dem Würstchenhimmel und präsentierte
Forschungsergebnisse: Fotos von hamburger meat aus Omaha, Nebraska und hingetuschte
Impressionen aus Kühltheken. |
|
Angereichert
mit unzähligen Zitaten von Beuys bis Dürer zerlegte Ulrich
Krauss einen symbolträchtigen, kunsthistorisch aufgeladenen Hasen
in Stücke und vergoldete diese. Gezeigt wurde eine fotografische Dokumentation
der Aktion im gleichfalls zerstückelten "Hasenbild". |
|
Christine
Lohr zeigte eine Serie von Porträtfotos von VerkäuferInnen
der Lebensmittelbranche an ihrem jeweiligen Arbeitsplatz in ihrer Arbeitskleidung.
Über die rein hygienischen Anforderungen hinaus sind die jeweiligen
Uniformen auch als Teil der Einrichtung mitkonzipiert und lassen die TrägerInnen
zur Verkörperung der Ladenidentität werden.![]() ![]() Der
Videokünstler Frank Werner demonstrierte in der Installation
"survival training" mit seiner Kombination von explodierenden
Kuchen, einem schießenden Frauentrio und Backanleitungen das kämpferische
Potential von Familienrezepten.Andy Hsu inszeniert die Bedrohung einer standardisierten Familienidylle durch Ernährung einer anderen Art. In einer Glasbackform graben sich Würmer durch ein Erdreich, auf dem ein Miniaturfarmhaus steht. Die subversiven Würmer bringen durch ihren Ernährungs- und Ausscheidungsprozess das Set in Unordnung. Die Modellsituation wurde nach vollendetem Umsturz wieder in den Ausgangszustand versetzt und die Würmer gingen erneut ans Werk. In Jessica Broas Animation "householdship" spielt ein Schokoladenéclair die Hauptrolle eines Wales. Vor dem aus Tischdeckchen bestehenden Wellenhintergrund erzählt "householdship" Geschichten von Walfang und den Gefahren der Seefahrt. Das verbotene Spiel mit Eßwaren weist gleichzeitig auf eine widerständige Re-Produktion von Familiengeschichte hin. Den
sehr konkreten Hintergrund von häuslicher Gewalt hat die Aktion "Kommt
nicht in die Tüte", die von der Künstlerin Karin Heisecke
im Rahmen des internationalen "Stop Rape"-Wettbewerbs 2001 realisiert
wurde. Hier wurden Brötchentüten im Kampf gegen sexuelle Gewalt
eingesetzt. Mit statistischen Zahlen zu Vergewaltigung in Deutschland und
der Telefonnummer des lokalen Frauennotrufs bedruckt, verwandelten sich
die Tüten - als Verpackung eines "alltäglichen" Grundnahrungsmittels
- in aktivistische Infoblätter und verknüpften unmittelbar Fragen
der Ernährung mit dem Thema Vergewaltigung (in der Ehe). Im Video von Marie Vermeiren werden KundInnen, Bäckereiverkäuferinnen/-inhaberinnen und VertreterInnen beteiligter Initiativen nach persönlichen Reaktionen, Beobachtungen und Erfahrungen mit der Tütenaktion befragt. Folke
Köbberlings "Concrete Cuisine" schuf 1999 im loop-Raum
ein Forum zu Fragen der Berliner Stadtplanung und -entwicklung. KOST zeigte
die Dokumentation ihres kritischen Kochstudios, in dem unterschiedlichste
Materialien zur kulinarischen Stellungnahme verwendet werden durften: Echte
Baumaterialen, Bastelmaterial, verschiedenste Medien, Texte, Ideen wurden
zu ungewöhnlicher Nahrung für Stadtbewohner verarbeitet. So bauten
Steffen Schindler & Cornelia Gutschke aus 10 Litern gefrorenem Speiseeis
das Berliner Stadtschloß nach. In der Hitze der Diskussion und der
Studioscheinwerfer begann das Stadtschloß zu schmelzen. Lisa
Glauer malt die Inhalte von Kühlschränken in warmen Farben.
Die Malerin portraitiert so sich und ihre Freunde durch die Innenansicht
des jeweiligen Kühlschranks. Mit stilistischen Mitteln der Landschaftsmalerei
und einem speziellen Interesse für regionale Besonderheiten, die sie
besonders nach ihrem Umzug von New York nach Berlin feststellt (Zitat: "Irgendwie
fand ich das komisch, dass der Joghurt "Mark Brandenburg" bei
mir im Kühlschrank rumhängt."), verleiht sie banalen Gegenständen
wie Eierschachteln und Joghurtbechern Pathos. |
|
|
|
|
![]() ![]() ![]() |
|
Karen
Scheper de Aguirre defunktioniert Lieblingsbücher zu "Trips".
Trips sind "Backwaren" aus Lieblingsbüchern, eingeweicht,
zerrissen und zermatscht, als Fetisch eingeteigt und gebacken zum Mitnehmen.
Ausstellungsbegleitend fand eine Fütterung der Gäste mit Buchkeksen statt, verbunden mit dem Versuch, sich daran zu erinnern, was man las, was es bedeuten konnte, und warum es zu einem Lieblingsbuch wurde. Text: BurGlauKöLüKrieScheWo |
|